Poetry Slam 30.09.2010 Pforzheim

Gestern abend war es wieder soweit:
Poetry Slam-Zeit in Pforzheim im Kupferdächle!

Dieses Mal mimte Andi, Linos Bruder, den Moderator und heizte dem Publikum gleich zu Beginn mit dem Versprechen ein, bei jedem guten Beitrag einen Knopf seines Hemdes zu öffnen.



Mit knapp zehn Minuten Verspätung ging es dann los.

Zuerst erklärte Andi für alle die Spielregeln des Poetry Slams, dann stellte er den Ablauf des Abends vor: 5 Teilnehmer würden in zwei Vorrunden gegeneinander antreten. Die beiden Besten bestreiten dann das Finale gegeneinander.

Als "Featured Poet" ausserhalb jeglicher Konkurrenz und mit musikalischer Unterstützung durfte Magnus Großmann die Pforzheimer auf die Slammer vorbereiten.



Bei seinem ersten Auftritt begleitete er sich selbst am Keybord und sang zuerst von "Jesus, der alle liebt" und danach ein Stück zum Thema Stuttgart 21 - bzw. genauer gesagt: zu Themen, die weh tun. Z.B. wenn die Erde die Schwerkraft verliert und deswegen Rainer Calmund in die ISS stürzt. "Das tut weh, aua aua!" Das dritte und vorerst letzte Stück drehte sich um eine "Welt voller offener Fragen".
Das Publikum hatte sichtlich Spaß und das Eis war gebrochen.

Als erster Teilnehmer durfte Daniel auf die Bühne, der einen frisch zu Papier und deswegen noch namenlosen Text zum Besten gab, in dem ein depressiver Joghurt eine ganze Mopro-Abteilung schlecht werden lässt. Ein gelungener Einstieg in den Abend.



Der zweite im Bunde war dann faBy nightheart, der genial feststellte: "Wasser ist ein krasses Element".
Darauf konterte Andi, dass auch Luft ein krasses Element sei. Grund: ein Zuschauer rülpste während des Textes von faBy lautstark.



Als dritter stürmte Boeni die Bühne und die Herzen des Publikums. Zuerst gab es einen Mitmach-Text über die "Voodoo-Tante", danach zog die "Putzfrau Rosalinde Wischmoppgewinde) gegen Milben in den Krieg. Ich möchte bitte auch was von diesen Drogen, die Texte waren einfach irre genial. :)



Danach gab Thomas sein Bestes und rappte über "Zukunft" und "Sicherheit und Freundschaft". Etwas holprig zwischendrin, aber die Message kam an.



Als letzte im Bunde gab Laura ihre Premierenvorstellung mit einem "kurzen und traurigen Text" über eine Selbstmörderin. Die Aufregung merkte man ihr arg an, was leider dazu führte, dass sie den Text etwas zu schnell und zu hastig abspulte. Aber fürs erste Mal: Respekt.



Schon war die erste Vorrunde vorbei, knapp eine Stunde verstrichen und es ging in eine kurze Pause.
Bevor sich alle die Kehlen benetzen konnten, gab schnell noch ein Freund von Boeni einen "Witz" zum Besten, den nur er selbst so richtig verstand. Dazu fällt mir nur eines ein: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde.



Nach einer gut 10-minütigen Pause ging es dann schon in die zweite Runde, die wieder von Daniel eröffnet wurde.
Dieses Mal gab er zwei Texte zum besten. Zuerst sein "Lyrikdebakel": "Ist ja egal, ist ja Kunst" - von wegen egal! Toll mit Worten gespielt. Und dann "Die Situation".

Nummer zwei war Thomas, der "viele Fragen", einen "Text zu einem Geschenk - einer Tasse" und im "Kafka"-Style rappte. Auch hier waren wieder einige Verhopser dabei, schade eigentlich.

Als nächster sprang dann wieder Boeni auf die Bühne. "Sie hatte keine Zeit"... am Ende schon. Tolle Bilder mit Worten gemalt und die Performance dazu ist sowieso einsame Klasse.

Dann war Laura noch einmal an der Reihe und spulte schnell ein Liebesgedicht an "Twilight Edward" ab. Naja, muss man halt mögen, diese Art der Schnulzengedichte. Gibt es eigentlich eine Poetry Slam-App, mit der man solche Texte zusammen klicken kann?

Den Abschluss dieser Runde bildete faBy mit seinen Texten "Superheldenkräfte können einem den Tag versauen" und "Harmonie ist scheiße". "Lasst uns unsere Herzen brechen", sie auf einen Haufen werfen und wieder zusammen setzen. Einfach klasse, vor allem der zweite so schön tiefgründig.

Spannend übrigens, wie die Slammer ihre Texte so aufbewahren: einer schreibt sie in einen A5-Block (Daniel), der nächste hat ein Computer-geschriebenes Blättersammelsurium in den Cargohosentaschen (Boeni), der dritte hat sie sauber von Hand auf ausgerissenem A4-Karo-Papier geschrieben(Thomas). Nummer 4 rezitiert frei (Laura) und Nummer 5 hat die Texte fein säuberlich in ein Lustiges Taschenbuch geklebt (faBy). Und so unterschiedlich wie die Arten waren auch die Slammer und ihre Texte. Zum Glück! :)

Nun wurde es aber Zeit für die Abstimmung durch die Zuschauer.
Ins Finale kamen...


Boeni und Thomas!

Bevor die beiden sich aber in ihren letzten "Kampf" für diesen Abend stürzten, durfte Magnus noch ein paar Ständchen auf der Gitarre bringen. Wir durften lernen, dass die Schwaben den Punkrock erfunden haben und dass Horst Köhler sowohl Schwabe als auch Punkrocker ist. Außerdem gab es schwäbischen Mundart-Punk über "ein Ei" (oi Oi) und die Erkenntnis, dass ein Ei und ein Sarg in Österreich etwas gemeinsam haben: in beiden ist ein Dodder (auf hochdeutsch: Dotter / Toter). Ja, der Witz ist alt und auch nur wirklich in Mundart lustig, tut dem lustigen Auftritt aber keinen Abbruch.
Ich freu mich schon darauf, Magnus bei einem der nächsten Slams als Teilnehmer auf der Bühne zu sehen.




Als erster Finalteilnehmer musste / durfte dann Thomas auf die Bühne, der erst einmal mit dem Mikroständer kämpfte. Danach gab es die Texte "Geh nicht" und "Musik", natürlich wieder gerappt. Auch hier gabs wieder Holperer und Stotterer und ein quergeschlagener Lacher brachte den armen Mann ziemlich aus dem Konzept. Tschuldigung. :oops:

Danach sprang wieder Boeni auf die Bühne und ließ eine "Zahnarzt"-Zahn-Bombe platzen. Er gab wirklich alles auf der Bühne und schrie sich schier die Lunge aus dem Hals. Um dann festzustellen, dass der letzte Satz eigentlich geflüstert gehört hätte.
"Ist ja egal, ist ja Kunst"... ups, falscher Slammer. ;)

Bei der Abstimmung wurde dann auch schnell klar, wer diesen Slam gewonnen hatte: BOENI!!!
(Das war übrigens erst sein zweiter Sieg.)

Glücklich und heiser moderierte Boeni dann noch den Slam ab und liess Andi feiern.



Danke an alle Beteiligten für zwei tolle Stunden, wir freuen uns schon auf den nächsten Slam in Pforzheim, der am 26.11.2010 statt finden wird.




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Weitere Bilder von diesem Event gibt es auf Exploding Art.

Fotos © MURDOC the PSYCHO, Text © Elrowiel


Wir hoffen der Bericht und die Bilder haben euch gefallen :)